CUI: Advanced Imaging of Matter
Imaging of Matter
Foto: UHH/Denstorf
23. Juli 2026

Foto: UHH/CUI, Peter Garten
Das neue Magazin „Advanced Imaging of Matter: Sieben Jahre CUI im Fokus“ zeigt, welche Fortschritte die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters „CUI: Advanced Imaging of Matter" erzielt haben, aber auch, welche Schönheit, sich in der Grundlagenforschung verbirgt. In Teil 4 unserer Serie stellen wir die „Arts & Science“-Initiative vor, mit der der Cluster zu einer assoziativen Reise durch die Naturwissenschaften einlädt.
Die Ausstellung „Arts & Science“ gibt sich erst auf den zweiten Blick zu erkennen: Sie präsentiert Bilder aus der Mikrowelt der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung des Exzellenzclusters – wellenförmige Gebilde und Farbexplosionen, aber auch Aufnahmen direkt aus dem Elektronenmikroskop. Der Interpretationsspielraum ist groß und es bleibt den Betrachterinnen und Betrachtern überlassen, die Schönheit der Darstellungen wirken zu lassen oder über die begleitenden Texte einen Einstieg in die zugrunde liegende Physik und Chemie zu finden.
Die „Arts & Science“-Initiative des Exzellenzclusters hat sich seit ihrem Start im Jahr 2017 als ein äußerst erfolgreiches Mittel zur Wissenschaftskommunikation etabliert. „Wir möchten die Besucherinnen und Besucher dazu einladen, das Künstlerische und die Ästhetik in den Naturwissenschaften zu entdecken“, sagte das damalige CUI-Vorstandsmitglied Prof. Peter Schmelcher bei der Eröffnung der ersten Ausstellung in der Diele des Hamburger Rathauses. Der Forschungsalltag sei geprägt von Pioniergeist und wissenschaftlichem Fokus, nur selten ändere man den Blickwinkel. „Lässt man sich darauf ein, sieht man eine unglaubliche Vielfalt.“
Im Rahmen der Initiative wurden die Forschenden des Clusters gebeten, ästhetisch ansprechende Bilder einzureichen. Dabei sollten nicht so sehr die Aktualität und wissenschaftliche Aussagekraft der Bilder im Mittelpunkt stehen, sondern primär deren Ästhetik. Für die Auswahl der Bilder holte sich das Organisationsteam Unterstützung bei Julia Lohmann, zum damaligen Zeitpunkt Professorin an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) mit einem besonderen Forschungsinteresse an der Schnittstelle von Naturwissenschaft und Kunst.
„Kunst kann Wissenschaft begreifbar machen, gleichzeitig ermöglicht die Wissenschaft der Kunst zu arbeiten“, sagt Lohmann. Denn Wissenschaft sei die Erweiterung sinnlicher Fähigkeiten. Die Gemeinsamkeit findet sich in einem Empfinden, das im Englischen als „Wonder“ bezeichnet wird. Dies sei ein weitreichender Begriff, der deutlich über das deutsche „Staunen“ hinausgehe. Vielmehr umschreibe es den Wunsch nach Wissen, ausgelöst durch etwas Schönes, Bemerkenswertes oder Unbekanntes. Lohmann verwies zudem auf einen sogenannten Double-take in den ausgestellten Bildern – dem Erkennen von Neuem beim zweiten Blick. Von der Ferne zeige sich zum Beispiel eine textile Struktur, aus der Nähe betrachtet gehe es um atomare Dynamik. „Im Herantreten beginnt eine assoziative Reise.“
Die Visualisierungen werden durch Fotos der hochmodernen Labore und Lichtquellen sowie kurze Begleittexte zur Forschung und den Arbeitsgruppen ergänzt. So spricht die Ausstellung ihre Gäste auf unterschiedlichen Ebenen an: als reiner Eye-Catcher, als Zugang zu wissenschaftlichen Geschichten, als Ausgangspunkt für eine intensivere Auseinandersetzung mit der Forschung. „Jeder wird erstmal angesprochen durch den ersten visuellen Eindruck, das zieht Fragen und Bemerkungen nach sich, es regt die Gedanken an, und gibt eine völlig neue Sicht auf die Wissenschaft“, sagt Prof. Ludwig Mathey, der mit einer Illustration zum Magnetismus in der ersten Ausstellung vertreten war. „Mit den vielen Besuchern und Betrachtern bei der Ausstellung über die Bilder ins Gespräch zu kommen, sich über das Staunen, über die Farben und Formen auszutauschen, war anregend und motivierend.“
Während der zweiwöchigen Ausstellung im Jahr 2017 sahen sich zehntausende Menschen aus dem In- und Ausland, Schulklassen und weitere Gruppen die Bilder aus der Grundlagenforschung an. Die Ausstellung wurde in der Folge bei weiteren Anlässen gezeigt, etwa während der Hamburger „Nacht des Wissens“ oder im Rahmen der Einweihung des European XFEL. Im April 2023 und 2024 konnte der Cluster an den großen Erfolg anknüpfen: Nahezu 60.000 Menschen sahen sich eine Folgeausstellung mit neuen Bildern und via QR-Code verlinkten Videos im Hamburger Rathaus und am Flughafen Hamburg an.
Ergänzend zur Ausstellung entstanden eine Begleitbroschüre, ein Film sowie eine Serie von Kalendern, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Mathey: „Die Ausstellung wirkt auch in der daraus hervorgegangenen Kalenderdarstellung weiter. Ich sehe die Kalender in Grundschulklassen, Arztpraxen und Privathäusern hängen, es zeigt die Naturwissenschaft als ästhetisch ansprechend, als verblüffend und vielfältig in ihren Formen.“ Text: Ingeborg Adler