CUI: Advanced Imaging of Matter
Imaging of Matter
Foto: UHH/CUI, Peter Garten
4. August 2026

Foto: European XFEL
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat bekannt gegeben, einen Hub für Laserfusion mit Standorten in Hamburg/Schleswig-Holstein und Hessen zu fördern. European XFEL steht dabei im Mittelpunkt eines Fusion R&D (Forschung und Entwicklung) Campus Hamburg/Schleswig-Holstein. Dort entsteht das Zentrum der deutschen Laserfusionsforschung und -entwicklung – mit dem klaren Ziel, den Bau des weltweit ersten kommerziellen Laserfusionskraftwerks in Deutschland vorzubereiten.
Die Laserfusion ist eine von mehreren möglichen Methoden, um Kernfusion zu erreichen, den Prozess, der auch die Sonne antreibt. Fusion gilt als Energiegewinnungstechnologie der Zukunft, bei der enorme Strommengen mit vergleichsweise geringen Abfallprodukten erzeugt werden könnten. Aktuelle Entwicklungen haben weltweit zu einem verstärkten Engagement in der Fusionsforschung geführt, wobei Deutschland eine führende Rolle einnimmt.
Die beiden deutschen Laserfusionsunternehmen Marvel Fusion und Focused Energy, Mitgründer und Mitgesellschafter des Hubs, entwickeln den Campus gemeinsam mit European XFEL, DESY, HZDR, der Universität Hamburg, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Universität Rostock und einem breiten Netzwerk weiterer wissenschaftlicher und industrieller Partner sowie mit Unterstützung der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Der Laser Fusion Hub umfasst einen weiteren Standort, den Fusion Industrialization Campus Biblis/Hessen, sowie Satellitenstandorte in der „Länderallianz Fusion“ ein. Das BMFTR fördert den Hub im Rahmen der Förderrichtlinie „Hubs für die Fusion“, die Teil der Hightech Agenda Deutschland der Bundesregierung ist.
Moritz von der Linden, CEO und Co-Founder, Marvel Fusion: „Fusionsenergie wird die Energiequelle des 21. Jahrhunderts – unbegrenzt, sicher und grundlastfähig. Mit der heutigen Förderentscheidung des BMFTR wird der Laser Fusion Hub zu dem Ort, an dem wir unter Nutzung der bestehenden Infrastruktur Forschung beschleunigen und in marktreife Technologien überführen: industriegeführt, offen für das gesamte Ökosystem, und getragen von Weltklasse-Wissenschaft. Das sichert nicht nur saubere Energie für morgen, sondern Hightech-Arbeitsplätze, Lieferketten und wirtschaftliche Stärke, die Deutschlands Wohlstand über Generationen tragen werden.“
Thomas Forner, CEO und Co-Founder, Focused Energy: „Bezahlbare Energie ist der Engpass des 21. Jahrhunderts. Die Verfügbarkeit günstiger sauberer Energie wird darüber entscheiden, wo Industrie entsteht. Fusion ist für uns deshalb keine Technologie für den kurzfristigen politischen Takt, sondern für die langfristige Sicherung sauberer, sicherer und bezahlbarer Energie. Genau deshalb sind die Hubs so wichtig: Sie stärken nicht nur Forschung und Technologieentwicklung, sondern schaffen auch die industrielle Grundlage für eine neue Energieinfrastruktur.“
Maryam Blumenthal, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, Freie und Hansestadt Hamburg: „Die Entscheidung des Bundes zur Förderung der Laserhubs ist ein starkes Signal – für den Norden und für Hamburgs Rolle bei der Entwicklung von Technologien, die unsere Zukunft prägen. Fusionsforschung kann ein entscheidender Faktor für die Energieversorgung von morgen werden. Mit European XFEL und PETRA am DESY bringen wir in Hamburg Forschungsinfrastruktur von Weltrang ein. Was Focused Energy und Marvel Fusion an Erfahrung aus der Anwendung mitbringen, trifft in der Science City auf ein höchst dynamisches und innovationsfreudiges Umfeld. Wir haben in den vergangenen Jahren gezielt investiert, um hier die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen. Ich freue mich, dass wir mit Schleswig-Holstein und Hessen den Hub gemeinsam unterstützen und gratuliere allen Beteiligten sehr herzlich zu diesem Erfolg!"
Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein: „Jede große Zukunftstechnologie beginnt mit der Entscheidung, loszulegen. Diese Entscheidung treffen wir heute gemeinsam. Mit European XFEL, der CAU und den engen Kooperationen zum DESY bringt der Norden nicht nur eine weltweit einzigartige Forschungsinfrastruktur in die Partnerschaft ein, sondern insbesondere auch seine Expertise im innovativen Nanomaterialdesign, in der Röntgendiagnostik, in der Plasmasimulation und in der Lasertechnologie. Das ist nicht nur ein Gewinn für die Wissenschaft, sondern ein klares Signal: Schleswig-Holstein gestaltet als Innovationsstandort die Energie der Zukunft mit.“
Thomas Feurer, Direktor des European XFEL: „Der European XFEL ist einer der leistungsstärksten Röntgenlaser der Welt – unsere hochpräzise Diagnostik für Kompressionsphysik ist weltweit einzigartig. Sie ist der Schlüssel, um Konzepte für die Laserfusion experimentell zu validieren und in der Entwicklung der Technologie die richtigen Entscheidungen zu treffen.“
Prof. Franz Kärtner, leitender Wissenschaftler bei DESY, Professor an der Universität Hamburg und Forscher im Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter": „DESY und die Universität Hamburg haben bereits eine effiziente kryogene Hochenergie- und Hochleistungslasertechnologie entwickelt. Sie lässt sich auf die anspruchsvollen Anforderungen zukünftiger Laserfusionskraftwerke skalieren und ist mit verschiedenen Zündkonzepten kompatibel. Der neue Laser Fusion Hub ist unverzichtbar, wenn wir diese anspruchsvolle Skalierung auf bislang unerreichte mittlere Leistungsniveaus bei gleichzeitig hoher Effizienz in enger Zusammenarbeit mit der Industrie umsetzen wollen.“
Zunächst wird sich der Hub vor allem auf die Laserforschung konzentrieren, bleibt jedoch für alle Akteure innerhalb des Ökosystems offen. DESY und die Universität Hamburg sind bereits bereit, ihr Fachwissen in der Materialwissenschaft einzubringen – etwa bei der Suche nach optimalen Baumaterialien für Reaktorkomponenten, die den extremen Bedingungen des heißen Plasmas standhalten können. Text: DESY, red.